Reisebericht-Fahrradtour_Berlin_Leipzig

Fahrradtour – Reisebericht Berlin|8


Gastartikel von Mister Fit 🙂

Immer noch auf dem Weg mit dem Fahrrad von Berlin nach Leipzig

Im Norden von Leipzig bin ich über Gohlis-Nord, durch den Leipziger Auenwald am Auensee vorbei.

Die Parkeisenbahn mit einer echten kleinen Dampflokomotive aus dem Jahr 1925 dreht schon seit 1951 ihre Runden. Dann ging es durch den sogenannten Wasserknoten, ich würde sagen: „Sechsstromstadt“ mit „Flüssen“ Weiße Elster, Pleiße, Parthe, Kleine Luppe, Neue Luppe und Nahle, die auch Bestandteil des Leipziger Auenwaldes sind und ideales Erholungsgebiet für Radfahrer und Wanderer. Über Leutzsch, Lindenau, wo auch meine alte 46.Grundschule in der Saalfelder Straße tapfer alle Zeiten überstanden hat, habe ich noch die Endersstraße besucht. Warum wohl? Hier haben wir als Kindergartenknirpse weitpinkeln von der Bordsteinkante auf die Straße veranstaltet. Tauchscher  haben wir gefeiert. Die Fußwege sind noch die alten, aber das Wohnhaus ist  sehr schön renoviert. Die Toiletten auf halber Treppe sind jetzt Abstellkammern. Nicht weit von hier war das Hafenbecken des Lindenauer Hafens, der sich zu Kinderzeiten wunderbar zum Baden geeignet hat und ursprünglich zum Kanalprojekt für eine Verbindung bis nach Hamburg gehörte. Industriell hätte heute diese Verbindung wenig Bedeutung, aber es wird über die touristischen Möglichkeiten nachgedacht.

In der Hotelpension “Plagwitzer Hof” in der Gießerstrasse des gleichnamigen Stadtbezirkes Plagwitz habe ich mich sauber und preiswert einquartiert. Plagwitz war früher ein Zentrum der Leipziger Industrie. Hier gab es Gießereien, Stahlbaufirmen, die Baumwollspinnerei und Druckereien. Heute sind noch die Fragmente zu sehen oder es sind museale, gastronomische und kulturelle Einrichtungen. Hier entwickelt sich eine alternative Szene, die ein wenig mit Kreuzberg oder Prenzlauer Berg in Berlin zu vergleichen ist.

Reisebericht-Fahrradtour_Berlin_Leipzig Botschaft der Künstler

Dass sich etwas getan hat, ist nicht zu übersehen. Die alten Häuser sind restauriert, die Bombenlücken endlich aufgefüllt mit modernen Wohnbauten. Schätzungsweise 20 Prozent der Wohnhäuser sehen noch recht ramponiert aus.

Die schönen alten Platanenbäume an meiner damaligen 28. Oberschule in Stötteritz, die heute Neue Nikolaischule heißt und ihr 500-jähriges Bestehen feiert, stehen immer noch. Deren pelzige Früchte haben wir uns gegenseitig unter die Hemden gesteckt. Das war nicht spaßig. Gewaltig waren damals die Riebeck-Pferde, die das gleichnamige Bier und das Stangeneis in das gegenüberliegende Lokal „Malepartus“ (schlimmes Loch) brachten. Unser Eisschrank wurde natürlich nicht mit dem Bier, sondern mit dem Eis aufgefüllt. Das kühle Bier vom Fass wurde im Siphon mit Schnappverschluß geholt. Das waren Zeiten, energie- und materialsparend!!!!! Malepartus und Riebeck-Pferde gibt’s nicht mehr.

Als großes Plus musste ich feststellen: Leipzig stinkt nicht mehr und auf der Elster und dem Kanal kann mit motorlosen oder E-Booten gefahren werden ohne am Abend die Rückstände der Chemieindustrie vom Boot abkratzen zu müssen.

In der Innenstadt tut sich sehr viel. Derzeitig ist ein Verkehrsprojekt in Arbeit, das die Innenstadt untertunnelt und am Alten Rathaus, ohne Protest der ohnehin pfiffigen Sachsen, einen unterirdischen Bahnhof entstehen lässt, derweil ich im Restaurant „Das Alte Rathaus“ köstliche sächsische Krautwickel und ein gesundes Zwickelbier eingefahren habe. Wer sich für Architektur interessiert, ist hier bestens aufgehoben. Für meine Begriffe passt hier neu und alt sehr gut zusammen.

Reisebericht-Fahrradtour_Berlin_Leipzig Universitätsgebäude Leipzig

Genial, die Konturen der alten zu DDR-Zeiten endgültig geschliffenen Universitätskirche in einen Neubau der Universität zu integrieren. Auf dem davor liegenden Augustusplatz wurde gerade der Sand für ein Beachvolleyballturnier aufgeschüttet. Kontraste ohne Ende.

Hier geht es weiter: Fahrradtour Berlin-Leipzig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.