Reisebericht Namibia Himba Farm Gelbingen

Namibia–Traum und Wirklichkeit|7


Die Himba haben sich vor einigen Jahren auf dem Gelände der Farm Gelbingen angesiedelt und werden dadurch etwas beschützt vor allzu neugierigen Touristen, gleichzeitig aber auch „vermarktet“. Es wird aber auch darauf geachtet, dass man ihnen keinen Alkohol gibt und den Kindern keine Süßigkeiten, damit sie keine Karies bekommen. Zahnbürsten sind ein unbekanntes Werkzeug.

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Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenEine deutschstämmige Frau von der Farm (Elisabeth), die ein paar Worte Herero spricht und sich damit ein wenig mit den Himba verständigen kann, hat uns begleitet durch das kleine Dorf in dem zwei Familien leben. Unterhaltungen kommen wegen der Sprachbarriere nicht zustande. Dafür ist auch nicht die Zeit.  Aber Elisabeth konnte uns vieles über das Leben der Himba erklären.

 

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenEs waren nur Frauen und Mädchen da, wie man unschwer sehen kann. Die Männer leben im Norden bei ihrem Vieh. Einmal im Jahr gehen die Frauen dort für zwei Monate hin, damit wieder Kinder kommen. Rinder und Kinder sind der größte Besitz, damit die Tradition fortbestehen kann.

 

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenJeder Himba-Mann muss seiner Ehefrau eine solche Hütte bauen

 

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenHimba-Mädchen tragen bis zur ersten Periode diese zwei Zöpfe

 

 

 

 

 
Heiratsfähige Himba mit Krönchen und Haarverlängerungen Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenVerheiratete Himbafrau

 

 

 

 

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenPro Person zahlt man für den Besuch bei den Himas 150 Namibische Dollar an die Farm (etwa 12 Euro), dafür werden dann für die Himbafrauen Grundnahrungsmittel eingekauft, mit denen sie sich selbst versorgen (immer auf staubigem Boden).

Mit dem, was die eine Frau auf dem Stein zermahlt, wird dann eine Art Emulsion hergestellt und auf den Körper geschmiert (ab der ersten Periode) und auch in die Haare. Dann sind die Frauen heiratsfähig und tragen ein Krönchen auf dem Kopf. Sie waschen sich dann nie wieder und die Haut ist samtig glatt – gibt keine Falten – zur Nachahmung empfohlen. Den Farbunterschied der Haut zwischen den Mädchen und den Frauen sieht man deutlich Die Mutter sah aber nicht älter aus, als ihre 16-jährige Tochter. Körperregionen, die man mit dem roten Zeug nicht einschmieren kann oder sollte, werden über dem qualmenden Feuer geräuchert.

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenHier wird das Pulver für die Körperemulsion hergestellt.
Himbafrau aus Angola – Dort waschen sie sich, statt sich einzuschmieren.

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenDas Geld, was die Himba durch den Verkauf ihrer Handarbeiten einnehmen – Tierfiguren, Schmuck u.ä. – ist ihr Taschengeld. Damit können sie auch im 20 km entfernten Kamanjab einkaufen gehen  oder der Frau von der Farm sagen was sie mitbringen soll. Wir haben 190 N$ (etwa 15 Euro) für ein paar Souvenirs noch dort gelassen und einige Frauen haben der Elisabeth gleich ein paar Scheine davon in die Hand gedrückt und wollten Milch, Waschpulver und Brot dafür mitgebracht haben. Im Supermarkt haben wir am Nachmittag Frauen eines anderen Clans im gleichen Outfit und mit Kind auf dem Rücken einkaufen sehen.

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenDie Preisverhandlungen sind ähnlich wie auf einem Basar, aber ohne Worte. Ein Finger bedeutet 10 N$. Für ein geschnitztes Zebra wurden zwei volle Hände verlangt, also 100 N$, ich biete eine Handvoll dagegen- Einigung bei einer Handvoll und zwei Fingern, also 70 N$. Handschlag und das Geschäft ist besiegelt.

 

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenSouvenirangebot von heiratsfähigem Himbamädchen (Krönchen)

 

 

 

Reisebericht Namibia Himba Farm GelbingenAnsonsten sitzen die Himbafrauen meist herum, palavern, stillen ihre Kleinkinder, betreiben ihre besondere Art der Körperpflege, stellen dazu die Farbe aus Steinmehl her und basteln die Souvenirs. Sie haben wohl auch ein Stück Land, wo sie etwas anbauen können, falls dort bei der Trockenheit etwas wächst. Da sie aber von dem Geld, das jeder Besucher an die Farm zahlt, mit Grundnahrungsmitteln versorgt werden, brauchen sie sich um ihren Lebensunterhalt nicht zu sorgen. Sie leben sorglos und zufrieden in den Tag hinein. Elisabeth meinte, auch wenn es uns schwerfällt das zu begreifen, dass die Himba nicht arm sind, selbst wenn sie in Hütten aus Holzstöcken wohnen, die mit Kuhdung verschmiert sind, auf dem staubigen Boden sitzen und sich gegen die Kälte der Nacht mit Decken zudecken, die wir vielleicht nicht mal einem Hund zumuten würden. Sie kennen es nicht anders und sind vielleicht glücklicher und zufriedener als wir mit all unserem luxuriösen Besitz.

Gastautor: Gerhard Lehmann