Und weiter geht es mit dem Reisebericht Fahrradtour von Berlin nach Leipzig

Gastartikel von Mister Fit :-)

Wer mehr Zeit plant und sich für gigantische Technik interessiert, sollte einen Abstecher nach Gräfenhainichen machen und die benachbarte Baggerstadt Ferropolis nicht auslassen.

Jetzt wurde der bergige Abschnitt nach Bad Düben bewältigt. Von wegen Heide!!!

Die Natur hat natürlich entschädigt z. B. mit einer Reh Mama und ihren zwei recht neugierigen Kitzen, einem Buntspecht Pärchen beim Turteln und Heidelbeeren, die man schon essen konnte. Wieder war wieder eine halbe Stunde beim Naschen vergangen.

 

Vor Hammermühle erreichte ich Sachsen und das „Staatlich anerkannten Moorheilbad“ Bad Düben.

Wieder begegnete mir das Alter. Die Pensionschefin in der Blücherstrasse ist mit 87 Jahren eine äußerst rüstige Frau. Als wir so ins Quatschen gekommen sind, brachte sie mir ihren als Buch gebundenen Lebenslauf. Sie hat 6 Geschwister und selbst 5 Kinder und ein arbeitsreiches Leben. Als ich ihr von meiner Blaubeerpause im Wald zwischen den beiden Bädern berichtet habe, erzählte sie mir, dass sie mit der Familie in 6 Wochen 12 Zentner Blaubeeren gesammelt haben. Davon konnten sie sich unter anderem einen Fernsehapparat leisten.  Das Frühstück war vom Feinsten mit selbst gemachter Erdbeer-, Pflaumen- und Aprikosenmarmelade. In der Ecke stand der Apfelsaft aus der Mosterei von der eigenen Apfelernte. Zum guten Ende noch ein paar Erdbeeren aus dem Garten. Unglaublich!!!!

Abgesehen vom schönen Kurgelände ist der restaurierte Paradeplatz (im „Fisch & Meer“ kann man gut essen), die Bergschiffmühle direkt an der Burg und das älteste mittelalterliche Bauwerk, die Burgschänke und Herberge „Goldener Löwe“, sehenswert.

Reisebericht Fahrradtour Berlin-Leipzig

Weiter ging es am 4. Tag über die Mulde und schon landete ich an einer Erdbeerplantage mit Wurzener Erdbeeren. 2 Kilo zu 8 Euro für die Faulen. Die fleißigen Selbstpflücker haben sie dann für 4,80 bekommen. Schmackhaft waren sie auf jeden Fall.

Reisebericht Fahrradtour Berlin-LeipzigDann bin ich aber durchgestrampelt durch wenig geschütztes Gelände, so dass mir der Gegenwind und die Steigungen alles abverlangten. Unterbrochen durch eine kurze Rast bei einem Kleingärtner, um seine Kartoffelkäfer zu besichtigen. Die Schoten waren sehr schmackhaft. Bemerkenswert war noch das Kreuzen der Alten Salzstrasse in der Parthenaue bei Merkwitz.

Eingefallen bin ich in Leipzig in der Leipziger Tieflandbucht über Plaußig und da gerade Mittagszeit war, landete ich im 1880 erbauten Gasthof und seit 1925 Familienbetrieb. Zu DDR-Zeiten gehörte der Ort noch zum Landkreis Leipzig und das Lokal war der Geheimtipp für die besten Schnitzel der Umgebung, wo die Städter gern eingekehrt sind. Die hervorragende Roulade, die ich verspeist habe, war damals nur verfügbar, wenn die Fleischlieferung es hergab. Reisebericht Fahrradtour Berlin-Leipzig

Hier habe ich 2 Nürnberger Radler mittleren Alters getroffen. Das waren richtige Profis mit Tagesstrecken von etwa 100 km aus Hof kommend. Ihr nächster Etappenort sollte Bad Schmiedeberg sein mit Endziel Berlin. Im Gegensatz zu mir, haben sie ihre Unterkünfte nicht vorher geplant. Das hat den Vorteil, dass schnell mal umdisponiert werden kann, aber den Nachteil vergeblicher Quartiersuche, wie es ihnen in Pegau fast passiert ist.

 

Meine alte Messestadt Leipzig habe ich ins Herz geschlossen. Ich will mich ja nicht mit Goethe vergleichen. Er hat einfach recht mit seinem Zitat in Faust 1. Teil, der Szene im Auerbachs Keller: “Mein Leipzig lob’ ich mir. Es ist ein klein Paris, und bildet seine Leute”.

Es sind eben die Erinnerungen, die haften bleiben. Mit 18 Jahren bin ich aus dieser Stadt “emigriert”. Sie bot für mich keine Lebensqualität. In Abhängigkeit von der Windrichtung verströmten die umliegenden Chemie-und Braunkohlenenergiebetriebe unterschiedlichste strenge Gerüche und Staubwolken und Auerbachs Keller sollte nicht meine Stammkneipe werden. Die Bausubstanz der Innenstadt wurde einigermaßen erhalten, während die umliegenden Stadtbezirke vor sich hin gammelten. Die Großwohnbauten des Sozialismus kann man in Grünau besichtigen. Mit dem Neuen Gewandhaus, der Oper und dem alles überragenden Universitätsgebäude haben sich die damaligen Herrscher natürlich geschmückt.

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